Wieder da und doch nicht ganz

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Strasbourg
Auf dem Heimweg hatte ich mich innerlich schon fast mit dem Verlust meines Fahrrads abgefunden. Wie dreist, einfach das Schloss zu durchschneiden und es mitzunehmen, aber ich hatte schon einen vielversprechenden Nachfolger gefunden: Alt, gut in Schuss und 25 € günstig.

Wie in Gedanken ging ich also von der Straßenbahn ausnahmsweise nicht den kürzeren Weg am Campus entlang sondern an den Boule-Spielern vorbei durch die Parallelstraße. Neugierig sah ich nach einem Fahrrad, das meinem von weitem ähnelte: Silberner Rahmen, die Überreste der Korbhalterung noch vorn.

Ich dachte, ich seh nicht richtig: Da steht mein Fahrrad! Mein Fahrrad, mit dem kaputten hinteren Schutzblech und dem platten Vorderreifen. Doch was ist das? Ein dickes, geradezu hermetisches Sicherheitsschloss hält es am Fahrradständer fest.

Zügigen Schrittes gehe ich heim, greife zum Telefon und wähle die Nummer der Police Municipale: Ja, mein Rad sei geklaut worden und nun habe ich es, angeschlossen, ein paar hundert Meter weiter wiedergefunden. Was tue ich da? -- Die Polizei (Telefonnr. 17) anrufen, sagt mir die freundliche Frau am anderen Ende der Leitung.

Gut, dann mache ich das doch. Mit dem Handy und einem A4-Ausdruck des Fotos meines Fahrrads, das ich gestern hier auch online gestellt habe, bewaffnet gehe ich zur Straßenecke und was finde ich vor? Die Polizei ist schon da.

Nicht wegen meines Fahrrads, soviel ist klar. Ich frage nach, erkläre, was passiert ist und zeige das Foto zum Beweis. Der Beamte glaubt mir, greift zum Funkgerät und fragt nach, wo die große Zange ist (la pince "Seigneur"). Er führe jetzt los, sagt er mir, aber in ein paar Minuten kommt entweder er oder Kollegen wieder, die mir das Rad entketten könnten.

In der Tat (und nach einem netten Gespräch mit einer und einem Obstverkäufer/in aus dem Laden nebenan) kommt ein Polizeiauto mit drei Beamten vorgefahren. Wieder erkläre ich den Sachverhalt und der Chef sagt "Coupe!" und der jüngere setzt die Zange an. Die dritte Polizistin zückt die Kamera: Männer bei der Arbeit.

Doch dann die Ernüchterung: Verdammt, das Schloss ist widerspenstig! Ein Stahlseil ummantelt mit Metallringen. Die Zange schafft es durch die Ringe, aber gegen das Seil ist sie machtlos. Nach drei Versuchen mit der, zugegeben schon etwas mitgenommenen Zange, geben die Polizisten auf und raten mir, mich nach einer kleineren, für Seile geeigneten Schere umzusehen und es selbst aufzumachen.

Ein bisschen enttäuscht von der Zange (Was wenn ich mal in nem Auto klemme? Sagen die dann nach drei Versuchen auch: "Da können wir nix machen, schauen sie mal, ob sie ne andere Zange finden und sich selbst freischneiden können." ???) und verwirrt: Muss ich jetzt mein eigenes Fahrrad zurückklauen? Wo bin ich denn???

Ich frage in den Geschäften und Bars und schließlich gibt mir ein Wirt (ein netter, aber kurz angebundener Inder oder Pakistani) einen Hammer und zwei Schraubenzieher und ein leicht nach Bier riechender Franzose (wie er im Bilderbuche steht :) ) bietet seine Erfahrungen aus Schulzeiten an.
"Ben, je vole pas des vélos, mais je peux l'essayer." (Ich stehle keine Fahrräder, aber ich kann's ja mal versuchen) sagt er, schaut sich das Schloss an und versucht es mit seinem eigenen Fahrradschlüssel aufzumachen. Der Erfolg: Kaputter Schlüssel.

Nun setzt er Hammer und Schraubenzieher auf das Schloss an. Ein in Anzug gekleideter Afrikaner kommt vorbei und probiert es auch mal, aber das Schloss bleibt zu. Zuletzt versuche ich, das Schloss durch wildes Draufschlagen zum Zerbrechen zu bringen.

Was soll ich sagen. Nach über einer Stunde, zwei von zwei kaputten Schraubenziehern und einem arg demolierten Schloss, gebe ich auf. Ich bringe den Hammer zurück, versuche dem Wirt soetwas wie Wiedergutmachung für die kaputten Schraubenzieher anzubieten, doch er lehnt ab, und begutachte unser Werk.

Zwei Polizisten mit pince Seigneur, zwei Passanten, ein Hammer, zwei Schraubenzieher und meine Wenigkeit haben das Schloss so zerstört, dass, wer immer es an das Fahrrad drangemacht hat, es mitnichten wieder aufbekommen wird. Außer, sie oder er hat zufällig einen Bolzenschneider dabei.

Morgen werde ich mir eine Metallsäge und ein neues Schloss kaufen und es nochmal probieren... sofern es morgen auf dem Weg zur Straßenbahn noch dasteht. Putain!

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