Les Rentrées

weitersagen
Grenoble
Salut und Hallo zu einer neuen Geschichte!

Das Semester hat wieder begonnen und ich bin gespannt auf das Jahr als étudiant Master an der UJF (Université Joseph Fourier).
Die Dinge, die mich letztes Jahr aus den Socken gehauen haben, nehme ich nun mir geradezu stoischer Gelassenheit auf: Wäscheständer ist weg,
das DSL-Modem ist bei der Nachbarin, die aber erst Freitag kommt, Informationen zum Wie und Wo der neuen Veranstaltungen habe ich nicht, nur online oder sind gar nicht aufzufinden. Wow! Schlecht informiert... Am acceuil sagt man mir dann zweierlei: Erstens sucht die résidence (Résidence de la Houille Blanche de l'INPG, wie sie offiziell heißt) einen neuen Namen, nachdem sich
das INPG ja in Grenoble INP umbenannt hat... Zweitens ist das Wohnheimnetz abgeschaltet, dafür aber ein Anbieter namens Wifirst engagiert, der die Anschlüsse übernimmt.

Toll, denke ich, da habe ich solange, bis das Modem wieder da ist, wenigstens Internet.

Als erstes fällt mir auf, dass ich schonmal die Hälfte daheim vergessen habe: Keine Schlappen da, um den staubigen Flur zur Dusche zu kommen;
die eingepackte Steckerleiste hat kein französisches Masse-Schnuddel-Loch und passt daher nicht in die Steckdose; und meine Müslischälchen liegen in irgendeiner
Kiste auf dem Speicher bei meinen Eltern.

Alles nicht schlimm, denn das kann man käuflich erwerben. Nur, dass ich kein Internet habe, nervt. Keine Infos, kein Facebook, nur ein Handy mit 5€ Guthaben, wovon ich gefühlt
schon 5€ ver-SMS-t habe.

Also probiere ich das neue "Internet" aus. Peifedeggel, wie Oma sagt: Statt Wifirst ist immer noch das alte Wohnheimnetz aktiv. Toll, denke ich, kostenloser Zugang! Aber weit gefehlt: Das Netz verhält sich wie ein Blinker - geht, geht nicht, geht, geht nicht. So kann ich nicht arbeiten. Im Gebäude sind leider auch keine anderen WLANs aktiv. Bleibt nur der Versuch unten im Gemeinschaftsraum. Dort geht das Heimnetz, das heißt man kann von den verbliebenen 4 Leuten Daten aus dem DC ziehen, aber eine Verbindung ins Internet gibt es nicht.

Kurzum, ich habe mich doch bei Wifirst eingeschrieben. Es ist grottenlangsam, aber die ersten 24 Stunden sind kostenlos und danach kann man auch tagesweise bezahlen. Ist zwar teuer, aber einfacher, als zum Minatec zu fahren.

Bâtiment E

So gehe ich also zur Rentrée-Veranstaltung der UJF. Die ist im Bâtiment E auf dem Campus. Toll. Der Campus ist nämlich so groß wie eine Kleinstadt (etwa 2x3 km²), besitzt ein eigenes Straßennetz und etwa ein Dutzend Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Auch die Angabe "Rue de la Chimie" finde ich alles andere als genau, denn diese erstreckt sich vom Westen bis fast ganz ans Ostende des Campus. Gut, dass ich Sonntag bereits mit dem Fahrrad eine erste Erkundungstour gemacht habe, so dauert es nur 15 Minuten und ich bin -- hätte ich nicht gedacht -- pünktlich.

Als erstes treffe ich ein paar alte Bekannte: Alexandru, Emilie, Clément, Ludo, Etienne und Matthias. Eine Gruppe Inderinnen und Inder nähert sich und Emilie fragt, ob das eine Schulklasse sei. Nein, wie sich herausstellt sind das Austauschstudenten aus Dehli.

Die Willkommensveranstaltung wird in eher durchschnittlichem Englisch abgehalten (etwa, so wie daheim, nur mit französischem statt deutschem Akzent) und ein Stundenplan für's ganze Semester ausgeteilt. Alles klar! Jetzt bin ich informiert. Den ganzen Montag sowie die Nachmittage von Dienstag und Freitag werden im Labor abgehalten (ich freue mich schon auf die Laborbräune) und was letztes Jahr noch über den Notendurchschnitt ausgeglichen werden konnte, nämlich unter 10 von 20 Punkten zu liegen, ist jetzt ein "Durchgefallen".

Ein Hauch von Ferien

Seit gestern plagt mich auch ein Schnupfen. Ich hoffe immer, dass es keine Schweinegrippe ist, denn wenn man die Hinweise zu "Grippe A - H1N1" liest, bekommt man Angst, dass man notgeschlachtet wird. Doch ein Schnupfen ist auch ein klarer Indikator für etwas sehr angenehmes: Ferien.

Ich werde immer krank, wenn ich Ferien habe. Die erste Woche zumindest. Und da ich selten mehr als eine Woche Ferien hatte in der letzten Zeit, kann ich nichts über den weiteren Ferien- bzw. Krankheitsverlauf sagen. Es hindert mich aber auch nicht, schwimmen zu gehen. Denn schließlich ist hier ein Pool und der will genutzt werden.

Und so entspanne ich mich in der Sonne, lese, schwimme: Ein Hauch von Ferien, der, unterbrochen von ein paar Ortsterminen bzgl. Studium, noch bis Sonntag anhalten wird.

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