Reisezeit
Mein Zimmer ist in eine Handvoll Pappkisten, Säcke, Tüten und Taschen verpackt und im Auto verstaut. Das Zimmer, diese winzige Zelle, die für anderthalb Jahre mit nur 3 Monaten Unterbrechung mein Zuhause war, ist leer, weiß, nackig und es hallt.
In Griesheim und beim Auszug aus meinem Zimmer bei meinen Eltern hat mir das Leid getan. Aber hier nicht. Zu sehr haben mich die von meinen hirnlosen Zeitgenossen vollgepinkelten Klobrillen, die Haare auf Boden und Wänden der Duschen, die Duschen an sich (diese schimmligen Gummizellen) und die Tatsache, dass die Wände aus Pappe ist und man jeden Husten des Nachbarn hört, als stünde er neben einem, von Besuchen von Freund oder Freundin mal ganz abgesehen, genervt.
Nein, der Houille Blanche trauere ich keine Träne nach. Sie ist, nach allem, was ich gesehen habe, das beste (bezahlbare) Wohnheim in Grenoble. Aber ich bin froh, in Southampton in eine WG zu ziehen und darauf freue ich mich.
Worauf ich mich nicht freue: runde 1600 Autobahn-Kilometer in 6 Ländern. Umziehen nervt. Wo bleibt der Teleporter? Los geht es in Rosbach zu nachtschlafender Zeit (für den Studenten versteht sich). Rauf auf die Autobahn, A5, A45 und dann Köln. Es wird spannend, Daumen sind gedrückt, Nerven angespannt: Bitte kein Stau, bitte kein Stau.
Und es bleibt frei. Die Kilometer ziehen dahin, dann Aachen, ein kurzes Stück Niederlande und dann: Bumm, ein Schlagloch. Noch eins und gleich noch eins. Haben wir uns verfahren? Sind wir auf dem Mond? Was machen die ganzen Krater hier?
Die Autobahn in Belgien hat den Winter offenbar noch schlechter überstanden als A5 und A45. Krater von der Größe eines Gullideckels überziehen die Fahrbahn und wer Pech hat (hier!) erwischt die, die nicht nur 5 oder 10 sondern eher 15-20 cm tief sind. Autsch, das tut sogar bei 90km/h weh.
Bei Brüssel sind die dann nicht mehr die große Sorge: Stau und die Spannung steigt, ob wir den gebuchten Zug wohl noch erreichen? Nach einer Stunde Stop and Go stellt sich heraus, warum sich das Aufstehen zu nachtschlafender Zeit gelohnt hat: Wir sind noch eine Stunde vor der Zeit.
Der Wind frischt auf und macht das Spurhalten anstrengend. Beim Aussteigen an der letzten Raststätte vor der französischen Grenze bekomme ich die Tür nicht auf, weil der Wind dagegenbläßt. Dann trinke ich den schlchtesten 2,80€-Kaffee seit Jahren und merke: Belgische Raststätten können genausowenig Kaffee kochen wie deutsche oder französische. Es lebe die Globalisierung.
Die Tür zu schließen geht einfach, fast ein bisschen zu schnell und wir machen uns wieder auf. Die Grenze huscht bei 130km/h an uns vorbei oder besser: unter uns durch und wir erreichen, eine Stunde zu früh, das Terminal Calais des Eurotunnels.
Dort sagt mir der freundliche Automat (sie haben wegen der Linksfahrer Automaten zu beiden Seiten der Einfahrten montiert), dass wir einen Zug früher nehmen können. Heureka! Und so nehme ich den Anhänger für den Innenspiegel, auf dem ein großes G prangt und hänge ihn im Auto auf; eine folgenschwere Fehlentscheidung, wie sich herausstellen soll.
In den Wind hinein steigen mein Vater und ich aus, um uns vor der Kanalunterquerung nocheinmal die Beine zu vertreten. Eine Windböhe, die durch das Auto fegt, als beide Türen offen sind, hängt das Schild ab. Ich hänge es, Fluchend auf den Wind (uns verbindet seit Grenoble eine Hassliebe), wieder auf. Kurz rein in die Wartehalle und auch schon wieder raus, denn für G wird nur noch 10 Minuten lang aufgerufen. Mein Vater macht Fotos von allem: Vom Auto, von der Wartehalle, von den Windkraftanlagen neben dem Terminalgelände. Ich sage: "Papa, beim Einsteigen achte bitte drauf, dass nicht beide Türen gleichzeitig offen sind, mir hat's grad unser Ticket weggeweht."
Ich öffne die Tür, um den Rucksack aus dem Fußraum zu nehmen, um besser einsteigen zu können, da öffnet mein Vater seine Tür, feixt noch, dass es windig sei, und wuuuusch fliegt das Schild weg. Über den Parkplatz und hinfort Richtung Wiese. Ich wetze hinterher und fühle mich wie in den Zeichentrickfilmen, wo Coyote Roadrunner jagt: Kaum habe ich mich auf zwei Meter angenähert, weht das Ticket mit einem großen Sprung 10 Meter weiter. Schließlich weht hat der Wind gnade mit mir und lässt das Ticket in einen Drainagegraben fallen, wo es hängenbleibt.
Ich hebe es auf, mache auf dem Absatz kehrt, hüpfe zurück über den Graben und laufe fluchend über meinen inkompetenten Vater zurück zum Auto. Jetzt bin ich wach!
Weiter geht es in die Warteschlangen zum Zug und weiter in den Zug. Nach 15 Minuten mit laufenden Durchsagen, Leucht-Anzeigen und sich schließenden Schleusen, setzt sich der Zug in Bewegung und verschwindet nach kurzer Zeit im Tunnel. Nach nur 35 Minuten kommt er auch schon wieder raus. Das Wetter ist gleich, der Klang der Lüftung ist gleich und die Straßen sind geteert. Super. Aber es sieht seltsam aus: Komische Entfernungsangaben mit schräg übereinander geschriebenen Zahlen und das schlimmste ... sie fahren links! Ahhhh! ;)
Nach nur 5 Stunden Autobahn mit etwa 2,5 Stunden Stau und gefühlten siebentausend Baustellen ist es dann so weit: Southampton. Und nach nur ein paarmal falsch abbiegen dann auch Aberdeen Road.
In Griesheim und beim Auszug aus meinem Zimmer bei meinen Eltern hat mir das Leid getan. Aber hier nicht. Zu sehr haben mich die von meinen hirnlosen Zeitgenossen vollgepinkelten Klobrillen, die Haare auf Boden und Wänden der Duschen, die Duschen an sich (diese schimmligen Gummizellen) und die Tatsache, dass die Wände aus Pappe ist und man jeden Husten des Nachbarn hört, als stünde er neben einem, von Besuchen von Freund oder Freundin mal ganz abgesehen, genervt.
Nein, der Houille Blanche trauere ich keine Träne nach. Sie ist, nach allem, was ich gesehen habe, das beste (bezahlbare) Wohnheim in Grenoble. Aber ich bin froh, in Southampton in eine WG zu ziehen und darauf freue ich mich.
Worauf ich mich nicht freue: runde 1600 Autobahn-Kilometer in 6 Ländern. Umziehen nervt. Wo bleibt der Teleporter? Los geht es in Rosbach zu nachtschlafender Zeit (für den Studenten versteht sich). Rauf auf die Autobahn, A5, A45 und dann Köln. Es wird spannend, Daumen sind gedrückt, Nerven angespannt: Bitte kein Stau, bitte kein Stau.
Und es bleibt frei. Die Kilometer ziehen dahin, dann Aachen, ein kurzes Stück Niederlande und dann: Bumm, ein Schlagloch. Noch eins und gleich noch eins. Haben wir uns verfahren? Sind wir auf dem Mond? Was machen die ganzen Krater hier?
Die Autobahn in Belgien hat den Winter offenbar noch schlechter überstanden als A5 und A45. Krater von der Größe eines Gullideckels überziehen die Fahrbahn und wer Pech hat (hier!) erwischt die, die nicht nur 5 oder 10 sondern eher 15-20 cm tief sind. Autsch, das tut sogar bei 90km/h weh.
Bei Brüssel sind die dann nicht mehr die große Sorge: Stau und die Spannung steigt, ob wir den gebuchten Zug wohl noch erreichen? Nach einer Stunde Stop and Go stellt sich heraus, warum sich das Aufstehen zu nachtschlafender Zeit gelohnt hat: Wir sind noch eine Stunde vor der Zeit.
Der Wind frischt auf und macht das Spurhalten anstrengend. Beim Aussteigen an der letzten Raststätte vor der französischen Grenze bekomme ich die Tür nicht auf, weil der Wind dagegenbläßt. Dann trinke ich den schlchtesten 2,80€-Kaffee seit Jahren und merke: Belgische Raststätten können genausowenig Kaffee kochen wie deutsche oder französische. Es lebe die Globalisierung.
Die Tür zu schließen geht einfach, fast ein bisschen zu schnell und wir machen uns wieder auf. Die Grenze huscht bei 130km/h an uns vorbei oder besser: unter uns durch und wir erreichen, eine Stunde zu früh, das Terminal Calais des Eurotunnels.
Dort sagt mir der freundliche Automat (sie haben wegen der Linksfahrer Automaten zu beiden Seiten der Einfahrten montiert), dass wir einen Zug früher nehmen können. Heureka! Und so nehme ich den Anhänger für den Innenspiegel, auf dem ein großes G prangt und hänge ihn im Auto auf; eine folgenschwere Fehlentscheidung, wie sich herausstellen soll.
In den Wind hinein steigen mein Vater und ich aus, um uns vor der Kanalunterquerung nocheinmal die Beine zu vertreten. Eine Windböhe, die durch das Auto fegt, als beide Türen offen sind, hängt das Schild ab. Ich hänge es, Fluchend auf den Wind (uns verbindet seit Grenoble eine Hassliebe), wieder auf. Kurz rein in die Wartehalle und auch schon wieder raus, denn für G wird nur noch 10 Minuten lang aufgerufen. Mein Vater macht Fotos von allem: Vom Auto, von der Wartehalle, von den Windkraftanlagen neben dem Terminalgelände. Ich sage: "Papa, beim Einsteigen achte bitte drauf, dass nicht beide Türen gleichzeitig offen sind, mir hat's grad unser Ticket weggeweht."
Ich öffne die Tür, um den Rucksack aus dem Fußraum zu nehmen, um besser einsteigen zu können, da öffnet mein Vater seine Tür, feixt noch, dass es windig sei, und wuuuusch fliegt das Schild weg. Über den Parkplatz und hinfort Richtung Wiese. Ich wetze hinterher und fühle mich wie in den Zeichentrickfilmen, wo Coyote Roadrunner jagt: Kaum habe ich mich auf zwei Meter angenähert, weht das Ticket mit einem großen Sprung 10 Meter weiter. Schließlich weht hat der Wind gnade mit mir und lässt das Ticket in einen Drainagegraben fallen, wo es hängenbleibt.
Ich hebe es auf, mache auf dem Absatz kehrt, hüpfe zurück über den Graben und laufe fluchend über meinen inkompetenten Vater zurück zum Auto. Jetzt bin ich wach!
Weiter geht es in die Warteschlangen zum Zug und weiter in den Zug. Nach 15 Minuten mit laufenden Durchsagen, Leucht-Anzeigen und sich schließenden Schleusen, setzt sich der Zug in Bewegung und verschwindet nach kurzer Zeit im Tunnel. Nach nur 35 Minuten kommt er auch schon wieder raus. Das Wetter ist gleich, der Klang der Lüftung ist gleich und die Straßen sind geteert. Super. Aber es sieht seltsam aus: Komische Entfernungsangaben mit schräg übereinander geschriebenen Zahlen und das schlimmste ... sie fahren links! Ahhhh! ;)
Nach nur 5 Stunden Autobahn mit etwa 2,5 Stunden Stau und gefühlten siebentausend Baustellen ist es dann so weit: Southampton. Und nach nur ein paarmal falsch abbiegen dann auch Aberdeen Road.


















