Reisezeit

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Sunday, February 28. 2010
Southampton
Mein Zimmer ist in eine Handvoll Pappkisten, Säcke, Tüten und Taschen verpackt und im Auto verstaut. Das Zimmer, diese winzige Zelle, die für anderthalb Jahre mit nur 3 Monaten Unterbrechung mein Zuhause war, ist leer, weiß, nackig und es hallt.
In Griesheim und beim Auszug aus meinem Zimmer bei meinen Eltern hat mir das Leid getan. Aber hier nicht. Zu sehr haben mich die von meinen hirnlosen Zeitgenossen vollgepinkelten Klobrillen, die Haare auf Boden und Wänden der Duschen, die Duschen an sich (diese schimmligen Gummizellen) und die Tatsache, dass die Wände aus Pappe ist und man jeden Husten des Nachbarn hört, als stünde er neben einem, von Besuchen von Freund oder Freundin mal ganz abgesehen, genervt.
Nein, der Houille Blanche trauere ich keine Träne nach. Sie ist, nach allem, was ich gesehen habe, das beste (bezahlbare) Wohnheim in Grenoble. Aber ich bin froh, in Southampton in eine WG zu ziehen und darauf freue ich mich.

Worauf ich mich nicht freue: runde 1600 Autobahn-Kilometer in 6 Ländern. Umziehen nervt. Wo bleibt der Teleporter?

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Im Endspurt

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Sunday, February 7. 2010
Grenoble
Es ist Sonntag, der letzte vor den letzten vier Prüfungen und damit der letzte sozusagen offizielle Studiensonntag in Grenoble für mich.

Was liegt zurück?


  • Ich habe immer noch keinen Studienausweis der UJF. Aber mir ist das jetzt auch egal!

  • Ich war Ski fahren! Yeah! Welch eine Steigerung habe ich durchgemacht! Von totale Niete auf ein bisschen Niete gesteigert. Und es hat mir den Muskelkater meines Lebens in den Waden gebracht sowie die größte Anzahl Blasen an den Füßen, die ich jemals auf einmal hatte. Aber es war cool. Und das Beste: Meinen Knien hat es nichts ausgemacht. Fazit: Wird wiederholt.

  • Wohnungssuche in Southampton: Es ist ja schon ätzend, wenn man vor Ort ist, eine Wohnung zu suchen. Aber wenn man die dann nichtmal besuchen kann, weil man etwa 1000km Land und 50km Wasser weit entfernt ist ... Anscheinend habe ich jetzt jedenfalls eine Wohnung. Wird auch Zeit. Und so werden die Tage vom 24.02. bis 28.02. die vorerst stressigsten in Sachen Autobahn-Kilometern, die ich absehen kann.



Zum (vorläufigen?) Abschiednehmen aus Grenoble, zum Skifahren, zum Umzug, zu Southampton und diversen anderen Kleinigkeiten gibt's dann demnächst hoffentlich wieder mehr zu lesen: Wenn ich mal wieder Zeit habe. ;)

Der Scheideweg der Parti Socialiste

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Monday, November 2. 2009
Grenoble
Es ist ein verregneter Mittwoch, an dem ich mich mit dem Rad zum Messegelände Alpexpo in Grenoble aufmache. Wie ein Geheimtreffen mutet es mir an: Kleine
Plakate mit der Rose darauf weisen den Weg von der Bushaltestelle zum
Konferenzzentrum. Ein Mann vom Sicherheitsdienst, vermutlich ein nordafrikanischer Einwanderer, zeigt mir lächelnd einen Fahrradständer, der überdacht ist. Eine Rose hier, eine Rose da.

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Einschreibung

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Thursday, October 15. 2009
Grenoble
"Voilà, t'es inscrit", eine Leichtigkeit lag in diesem Satz. Die Dame, die mir gegenübersaß, ordnete noch schnell meine Akten. Ein ganz einfacher Vorgang, diese Einschreibung. Scheinbar, denn es ist der 15. Oktober und die offizielle Einschreibungsfrist ist seit 18. September abgelaufen.

Wieso das?, fragt sich der geneigte Leser.

Freitag, der 18. September: Laut Information meines Studiengangverantwortlichen ist heute Einschreibung an der école Phelma. Das ist die erste Einschreibung von zweien, da ich dieses Jahr nicht nur Doppeldiplomer sondern auch noch in einem Forschungsmaster bin. Also muss ich mich sowohl an Phelma als auch an der UJF Grenoble, der naturwissenschaftlichen Uni, einschreiben.

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Les Rentrées

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Tuesday, September 8. 2009
Grenoble
Salut und Hallo zu einer neuen Geschichte!

Das Semester hat wieder begonnen und ich bin gespannt auf das Jahr als étudiant Master an der UJF (Université Joseph Fourier).
Die Dinge, die mich letztes Jahr aus den Socken gehauen haben, nehme ich nun mir geradezu stoischer Gelassenheit auf: Wäscheständer ist weg,
das DSL-Modem ist bei der Nachbarin, die aber erst Freitag kommt, Informationen zum Wie und Wo der neuen Veranstaltungen habe ich nicht, nur online oder sind gar nicht aufzufinden. Wow! Schlecht informiert...

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Wieder da und doch nicht ganz

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Thursday, June 25. 2009
Strasbourg
Auf dem Heimweg hatte ich mich innerlich schon fast mit dem Verlust meines Fahrrads abgefunden. Wie dreist, einfach das Schloss zu durchschneiden und es mitzunehmen, aber ich hatte schon einen vielversprechenden Nachfolger gefunden: Alt, gut in Schuss und 25 € günstig.

Wie in Gedanken ging ich also von der Straßenbahn ausnahmsweise nicht den kürzeren Weg am Campus entlang sondern an den Boule-Spielern vorbei durch die Parallelstraße. Neugierig sah ich nach einem Fahrrad, das meinem von weitem ähnelte: Silberner Rahmen, die Überreste der Korbhalterung noch vorn.

Ich dachte, ich seh nicht richtig: Da steht mein Fahrrad! Mein Fahrrad, mit dem kaputten hinteren Schutzblech und dem platten Vorderreifen. Doch was ist das? Ein dickes, geradezu hermetisches Sicherheitsschloss hält es am Fahrradständer fest.

Zügigen Schrittes gehe ich heim, greife zum Telefon und wähle die Nummer der Police Municipale: Ja, mein Rad sei geklaut worden und nun habe ich es, angeschlossen, ein paar hundert Meter weiter wiedergefunden. Was tue ich da? -- Die Polizei (Telefonnr. 17) anrufen, sagt mir die freundliche Frau am anderen Ende der Leitung.

Gut, dann mache ich das doch. Mit dem Handy und einem A4-Ausdruck des Fotos meines Fahrrads, das ich gestern hier auch online gestellt habe, bewaffnet gehe ich zur Straßenecke und was finde ich vor? Die Polizei ist schon da.

Nicht wegen meines Fahrrads, soviel ist klar. Ich frage nach, erkläre, was passiert ist und zeige das Foto zum Beweis. Der Beamte glaubt mir, greift zum Funkgerät und fragt nach, wo die große Zange ist (la pince "Seigneur"). Er führe jetzt los, sagt er mir, aber in ein paar Minuten kommt entweder er oder Kollegen wieder, die mir das Rad entketten könnten.

In der Tat (und nach einem netten Gespräch mit einer und einem Obstverkäufer/in aus dem Laden nebenan) kommt ein Polizeiauto mit drei Beamten vorgefahren. Wieder erkläre ich den Sachverhalt und der Chef sagt "Coupe!" und der jüngere setzt die Zange an. Die dritte Polizistin zückt die Kamera: Männer bei der Arbeit.

Doch dann die Ernüchterung: Verdammt, das Schloss ist widerspenstig! Ein Stahlseil ummantelt mit Metallringen. Die Zange schafft es durch die Ringe, aber gegen das Seil ist sie machtlos. Nach drei Versuchen mit der, zugegeben schon etwas mitgenommenen Zange, geben die Polizisten auf und raten mir, mich nach einer kleineren, für Seile geeigneten Schere umzusehen und es selbst aufzumachen.

Ein bisschen enttäuscht von der Zange (Was wenn ich mal in nem Auto klemme? Sagen die dann nach drei Versuchen auch: "Da können wir nix machen, schauen sie mal, ob sie ne andere Zange finden und sich selbst freischneiden können." ???) und verwirrt: Muss ich jetzt mein eigenes Fahrrad zurückklauen? Wo bin ich denn???

Ich frage in den Geschäften und Bars und schließlich gibt mir ein Wirt (ein netter, aber kurz angebundener Inder oder Pakistani) einen Hammer und zwei Schraubenzieher und ein leicht nach Bier riechender Franzose (wie er im Bilderbuche steht :) ) bietet seine Erfahrungen aus Schulzeiten an.
"Ben, je vole pas des vélos, mais je peux l'essayer." (Ich stehle keine Fahrräder, aber ich kann's ja mal versuchen) sagt er, schaut sich das Schloss an und versucht es mit seinem eigenen Fahrradschlüssel aufzumachen. Der Erfolg: Kaputter Schlüssel.

Nun setzt er Hammer und Schraubenzieher auf das Schloss an. Ein in Anzug gekleideter Afrikaner kommt vorbei und probiert es auch mal, aber das Schloss bleibt zu. Zuletzt versuche ich, das Schloss durch wildes Draufschlagen zum Zerbrechen zu bringen.

Was soll ich sagen. Nach über einer Stunde, zwei von zwei kaputten Schraubenziehern und einem arg demolierten Schloss, gebe ich auf. Ich bringe den Hammer zurück, versuche dem Wirt soetwas wie Wiedergutmachung für die kaputten Schraubenzieher anzubieten, doch er lehnt ab, und begutachte unser Werk.

Zwei Polizisten mit pince Seigneur, zwei Passanten, ein Hammer, zwei Schraubenzieher und meine Wenigkeit haben das Schloss so zerstört, dass, wer immer es an das Fahrrad drangemacht hat, es mitnichten wieder aufbekommen wird. Außer, sie oder er hat zufällig einen Bolzenschneider dabei.

Morgen werde ich mir eine Metallsäge und ein neues Schloss kaufen und es nochmal probieren... sofern es morgen auf dem Weg zur Straßenbahn noch dasteht. Putain!

Ein Nachruf auf mein Fahrrad

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Tuesday, June 23. 2009
Strasbourg
Du bist keine Schönheit und auch nicht sonderlich belastbar. Deine Kette lies mich schon im Stich, du hast mehr Glühbirnen verbrannt als jedes andere Rad vor dir und du fielst immer um. Dein Lenkerkorb machte mich wahnsinnig und du hast mich schon im Stehen abgeworfen.

Du hast die Alpen gesehen und mich (mehr oder weniger) sicher durch Grenoble getragen. Mit dir habe ich Strasbourg erkundet und du hast die A5 von Basel bis Rosbach kennengelernt. Du warst Tag und Nacht für mich da und begnügtest dich mit Fahrradständern in strömendem Regen oder einem dunklen Heizungsraum.

Ja, du warst ne doofe Tretmühle, aber du fehlst mir! Und wenn ich das Pack erwische, das dich geklaut hat, dann kriegen die so richtig Ärger! Welches hirn- und herzlose Etwas hat dich geklaut? Organisiert, mit Bolzenschneider das Schloss durch und entführt. Verschachern werden sie dich, wie Vieh, an den nächsten armen Studi, dem sie dich in ein paar Monaten wieder klauen werden. Traurig.

Deswegen werde ich dich suchen und solange hoffe ich, dass du gut behandelt wirst.
Kaltblütig durchschnittenes Fahrradschloss.
Mein Fahrrad

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