Britische Banken

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Saturday, March 20. 2010
Southampton
Well, well ... erfahren im Ausland wie ich nun mal bin, hatte ich mich gleich am ersten Wochenende in Southampton nach einem Bankkonto erkundigt. Während man früher vielleicht mal ein Pferd oder einen Sack Gold zum Reisen brauchte, ist es heute eher ein Bankkonto plus Bankkarte. Sie haben uns! In ihrer Tasche haben sie uns, die Banken. Dass sie einen in Großbritannien noch tiefer in der Tasche haben als in Europa, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

"You will need to bring a statement of your former bank with your address on it", sagte die Mitarbeiterin der Bank, bei der ich mit meinem Vater aufschlug. Statement? Eine Erklärung? Alles klar, da rufe ich bei meiner Bank an, die machen mir das bestimmt fertig.

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Reisezeit

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Sunday, February 28. 2010
Southampton
Mein Zimmer ist in eine Handvoll Pappkisten, Säcke, Tüten und Taschen verpackt und im Auto verstaut. Das Zimmer, diese winzige Zelle, die für anderthalb Jahre mit nur 3 Monaten Unterbrechung mein Zuhause war, ist leer, weiß, nackig und es hallt.
In Griesheim und beim Auszug aus meinem Zimmer bei meinen Eltern hat mir das Leid getan. Aber hier nicht. Zu sehr haben mich die von meinen hirnlosen Zeitgenossen vollgepinkelten Klobrillen, die Haare auf Boden und Wänden der Duschen, die Duschen an sich (diese schimmligen Gummizellen) und die Tatsache, dass die Wände aus Pappe ist und man jeden Husten des Nachbarn hört, als stünde er neben einem, von Besuchen von Freund oder Freundin mal ganz abgesehen, genervt.
Nein, der Houille Blanche trauere ich keine Träne nach. Sie ist, nach allem, was ich gesehen habe, das beste (bezahlbare) Wohnheim in Grenoble. Aber ich bin froh, in Southampton in eine WG zu ziehen und darauf freue ich mich.

Worauf ich mich nicht freue: runde 1600 Autobahn-Kilometer in 6 Ländern. Umziehen nervt. Wo bleibt der Teleporter?

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Im Endspurt

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Sunday, February 7. 2010
Grenoble
Es ist Sonntag, der letzte vor den letzten vier Prüfungen und damit der letzte sozusagen offizielle Studiensonntag in Grenoble für mich.

Was liegt zurück?


  • Ich habe immer noch keinen Studienausweis der UJF. Aber mir ist das jetzt auch egal!

  • Ich war Ski fahren! Yeah! Welch eine Steigerung habe ich durchgemacht! Von totale Niete auf ein bisschen Niete gesteigert. Und es hat mir den Muskelkater meines Lebens in den Waden gebracht sowie die größte Anzahl Blasen an den Füßen, die ich jemals auf einmal hatte. Aber es war cool. Und das Beste: Meinen Knien hat es nichts ausgemacht. Fazit: Wird wiederholt.

  • Wohnungssuche in Southampton: Es ist ja schon ätzend, wenn man vor Ort ist, eine Wohnung zu suchen. Aber wenn man die dann nichtmal besuchen kann, weil man etwa 1000km Land und 50km Wasser weit entfernt ist ... Anscheinend habe ich jetzt jedenfalls eine Wohnung. Wird auch Zeit. Und so werden die Tage vom 24.02. bis 28.02. die vorerst stressigsten in Sachen Autobahn-Kilometern, die ich absehen kann.



Zum (vorläufigen?) Abschiednehmen aus Grenoble, zum Skifahren, zum Umzug, zu Southampton und diversen anderen Kleinigkeiten gibt's dann demnächst hoffentlich wieder mehr zu lesen: Wenn ich mal wieder Zeit habe. ;)

Ende einer Woche

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Friday, July 24. 2009
Strasbourg
Eine Woche eingeramt und durchzogen von seltsamen Momenten. Aber eben ohne dass es dabei ein so herausragendes Ereignis gegeben hätte, um gesondert darüber zu schreiben.

Die Woche hatte ihren ersten seltsamen Moment am Sonntag, als meine liebe Freundin Steffi mich fragte, warum mein Wecker denn von "Tag 50" spräche. Tag 50???
Ja durchaus. "Da steht 'Day 50'." Sagt sie und schaut sowohl stolz auf ihre Entdeckung als auch von morgendlicher Müdigkeit belastet drein. "Da steht SO wie Sonntag." antworte ich promt. "Oh." quittiert sie und ihr Stolz weicht totaler Verwirrung.

Dabei hatte sie Recht! Kurzes Nachzählen im Kalender ergibt, dass ich, wenn ich den Tag meiner Ankunft in Strasbourg (Sonntag, 31. Mai) mitzähle, an jenem Sonntag genau 50 Tage in Strasbourg war. Wow! Seltsamer Zufall. Da könnte man fast abergläubig werden und an den Großen Solarwecker glauben, der die Welt in sieben Schlummerphasen aufweckte.

Nein, dafür bin ich zu sehr mit der Realität verbunden. Stattdessen freue ich mich über das gelungene Wochenende mit Steffi, darüber dass der neue Harry Potter zwar lang, seltsam und düster aber doch ganz nett zu gucken war (tolle Tropfen-Tinte-in-Wasser-Effekte) und über die Tatsache, dass sie noch bis Montag geblieben ist.

Als ich sie vor der Arbeit zum Bahnhof begleite, ist es irgendwie das angenehme Gefühl, sie nur "mal eben" heimfahren zu sehen. Nicht wie in Grenoble, wo sich die Abfahrt für mich immer wie Weltreise anfühlt.


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Was lange währt, wird endlich gut...

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Friday, June 26. 2009
Strasbourg
Es bedurfte nur einer Metallsäge (une scie), ein wenig Muskelkraft und ein wenig Geduld.

Und nun ist es frei! Mein Fahrrad! Es steht sicher auf meinem Flur und wird schon morgen repariert. Wow, was lange währt, ohne Fleiß kein Preis, dat Glück is mit die Doofen...

Ich kam mir schon etwas dappisch vor, als ich heute mit meiner neuen Säge am Place St. Nicolas des Ondes aufkreuzte. Was vor zwei Tagen noch quasi unter polizeilicher Aufsicht passierte, wurde heute ein bisschen zum sozialen Experiment: Was machen Café-Gäste, wenn einer seelenruhig das Schloss eines angeschlossenen Fahrrades aufsägt? Die Antwort ist ernüchternd: Nichts.

Ich unterhalte mich mit der Frau aus dem Geschäft nebenan (croq-irgendwas, an den Rest kann ich mich nicht erinnern und in Google Streetview steht ein ein Baum davor, soviel also dazu... tzzz) über die Ironie der Geschichte, dass ich jetzt sozusagen mein eigenes Fahrrad zurückklauen müsse und dass ich eigentlich Glück gehabt habe.

Und so säge ich und säge. Es geht einfacher als befürchtet, die dicke Zange der Police hat das Stahlseil schön in einem der Metallringe eingeklemmt, sodass es sich schneidet wie ein massiver Block Metall. Nicht gerade Butter, aber weniger frustrierend wie ein schlackerndes Stahlseil.

Als ich es durch habe, bremst die Säge ihren letzten Zug auf meinem Finger und hinterlässt eine dunkle, nicht besonders tiefe Wunde. Tja, heißes Sägeblatt in Akademikerhand. Aber das war's wert.

Und an der Ecke in Strasbourg bin ich jetzt wohl auch nachhaltig bekannt. Ach und bevor ich's vergesse: Ätsch, bätsch, Arschloch! :D

Strasbourg, Mensa, Meditation

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Thursday, June 11. 2009
Strasbourg
Nach zwei Wochen des allgegenwärtigen Chaos kehrt wieder etwas Ruhe in mein Leben ein.
Inzwischen bin ich in Straßburg angekommen, habe schon am 1.6. mit total verschnupfter Nase eine Radtour -- oder vielmehr eine Aufsteigen-Rollen-Absteigen-Foto-machen-Tour -- gemacht.

Nahe der Haltestelle République.


Straßburg ist genial! Tja, klingt jetzt doof, dass der Wahl-Grenobler das sagt, aber gegen Straßburg ist Grenoble erstens wie ein Loch (nach 500m ist die Haussmannsche Innenstadt zuende und es beginnt der Betongürtel, in Straßburg ist das anders!) und zweitens ist hier alles breiter, entspannter und irgendwie schöner.

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Der Anruf in Straßburg nach Henkersbesuch

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Tuesday, January 13. 2009
Grenoble
Heute morgen habe ich es getan! Ich habe in Straßburg (oder besser: Strasbourg) angerufen, beim Institut für Physik, Chemie und Materialien der Universität Strasbourg und habe einen Termin für mein Vorstellungsgespräch ausgemacht.
Ich möchte nämlich gern in der schönen Stadt, in der das Europaparlament sitzt, Praktikum machen. Mai bis August, den Sommer also.
Und es hat geklappt. Der Chef der Abteilung hat sich gefreut und so wird es nun Mitte Februar während der Ferien einen Tagesausflug nach Strasbourg geben.

'Was das alles wieder mit sich bringt', schießt es mir da durch den Kopf: Umziehen, den ganzen Sommer arbeiten und am schwerwiegensten: Eine neue Kategorie im Blog einrichten und regelmäßig Fotos machen und hochladen. Schlimm, schlimm, schlimm. Aber was macht man nicht alles, um dabei zu sein, im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten.

Das neue Jahr hat auch akademisch langsam an Fahrt aufgenommen. Nachdem ich die letzte Woche zweimal in eine, sagen wir mal autofahrerseitige Fehlinterpretation der Verkehrsregeln involviert war, musste es ja auch besser werden.



Größere Kartenansicht



Auf dieser Kreuzung ist es passiert: Nichts ahnend fahre ich, von oben links kommend, auf die Abbiegerspur. Linker Arm raus, ich bin ja ein umsichtiger Verkehrsteilnehmer, der seinen Mitmenschen in guter Bloggermanier mitteilt, was er fühlt, denkt, macht oder wohin er gedenkt abzubiegen.
Dann lenke ich mein Fahrrad nach links auf die Straße nach oben rechts, als es an mir vorbeibraust und mich fast vom Rad wirft: Ein grün-silbriger Renault Clio mit Grenobler Kennzeichen.
Meine Fresse hat mich das durchgeschüttelt. Glücklicherweise ist weder mir noch dem Rad ernsthaft was passiert.
50 Meter weiter hält der Wagen an, während ich lauthals meinem Unmut über die bekloppten Autofahrer Luft mache.
Da kommt eine Frau auf mich zu, mit besorgtem Gesichtsausdruck: "Ça va? Vous-êtes bien?" -- "Oui, oui", antworte ich, "mais c'est incroyable! J'étais bien visible! C'est quoi que vous faites!?"
Eine Mischung aus Reue, Entschuldigung und Widerstand schwappt mir entgegen. Dass ich erst so spät den Arm rausgehalten hätte. Außerdem ginge die Spur da auseinander (on redouble). Und da kam die Dame wohl auf die glänzende Idee auf der Kreuzung den vielen Platz zu nutzen, und den Radfahrer, also mich, kurzerhand zu überholen.
Großes Tennis. Ich gebe ihr zu verstehen, dass ich von ihrem Fahrstil geschockt bin, mir aber nichts passiert sei und es dem Rad auch gut ginge (obgleich das Vorderrad nicht mehr 90° zum Lenker steht, aber das lässt sich mit einem beherzten Drehen richten). Auch die Polizei würde ich nicht holen.

Als ich einige Tage später, wieder an der Kreuzung vorbeikomme, fällt mir auf, was man auf der Karte auch gut sehen kann: Die gute Frau hat mich auf der Abbiegerspur überholt.

Ich meine, ich kenne die französische Straßenverkehrsordnung nicht im Wortlaut. Ich würde mich auch nicht drauf festlegen, dass es explizit verboten sein könnte, auf der Kreuzung, auf der Abbiegerspur einen Radfahrer zu überholen, zumal mit vermutlich etwas höherer Geschwindigkeit als 50 km/h, da die Ampel gerade dabei war, auf rot zu schalten, als ich den Zebrastreifen überquerte... aber ich denke, dass selbst bei großzügiger, sinngemäßer Auslegung sowas zumindest mit nem erhobenen Finger bestraft werden sollte!

Also hier: Erhobener Finger! Mon doigt élévé, Madame! Soyez prudent la prochaine fois!

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