Ende einer Woche

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Friday, July 24. 2009
Strasbourg
Eine Woche eingeramt und durchzogen von seltsamen Momenten. Aber eben ohne dass es dabei ein so herausragendes Ereignis gegeben hätte, um gesondert darüber zu schreiben.

Die Woche hatte ihren ersten seltsamen Moment am Sonntag, als meine liebe Freundin Steffi mich fragte, warum mein Wecker denn von "Tag 50" spräche. Tag 50???
Ja durchaus. "Da steht 'Day 50'." Sagt sie und schaut sowohl stolz auf ihre Entdeckung als auch von morgendlicher Müdigkeit belastet drein. "Da steht SO wie Sonntag." antworte ich promt. "Oh." quittiert sie und ihr Stolz weicht totaler Verwirrung.

Dabei hatte sie Recht! Kurzes Nachzählen im Kalender ergibt, dass ich, wenn ich den Tag meiner Ankunft in Strasbourg (Sonntag, 31. Mai) mitzähle, an jenem Sonntag genau 50 Tage in Strasbourg war. Wow! Seltsamer Zufall. Da könnte man fast abergläubig werden und an den Großen Solarwecker glauben, der die Welt in sieben Schlummerphasen aufweckte.

Nein, dafür bin ich zu sehr mit der Realität verbunden. Stattdessen freue ich mich über das gelungene Wochenende mit Steffi, darüber dass der neue Harry Potter zwar lang, seltsam und düster aber doch ganz nett zu gucken war (tolle Tropfen-Tinte-in-Wasser-Effekte) und über die Tatsache, dass sie noch bis Montag geblieben ist.

Als ich sie vor der Arbeit zum Bahnhof begleite, ist es irgendwie das angenehme Gefühl, sie nur "mal eben" heimfahren zu sehen. Nicht wie in Grenoble, wo sich die Abfahrt für mich immer wie Weltreise anfühlt.


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Die Krux mit der Reise

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Wednesday, July 8. 2009
Strasbourg
Mann, bin ich gestresst! Und warum? Weil ich auf die aberwitzige Idee kam, wo ich schonmal in Strasbourg bin, doch gleich nen Besuch der FES Hochschulgruppen im Rhein-Main-Gebiet beim EU-Parlament zu organisieren.

Was mir da noch nicht klar war: Eine Reise organisieren sagt der Laie. Der Fachmann spricht von einem multivariaten, nichtlinearen, chaotischen, transienten System, das dementsprechen mehrere, von den Einflussgrößen abhängige Arbeitspunkte hat und dazu neigt im Zeitverlauf (transient) stark zu schwanken. Oh, das kenn ich. Nennt sich auch Leben, Studium oder Betrunkener (zumindest das mit dem Schwanken).

Als ich heute heimkam, war ich dementsprechend am Boden. Ich packe meine Wäsche zusammen und gehe zum Waschsalon auf der anderen Straßenseite. Zwei Säcke sind es, so wenig Priorität habe ich meiner Wäsche zugestanden. Ich wage ein Experiment: Wäsche in die Maschine und dann versuchen, einkaufen zu gehen. Wie viel Zeit habe ich? Halbe Stunde. Ich sage nicht "Yes, I can", ich sage "Gut, das ist möglich", ist eh viel realistischer.

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Impressionen aus Strasbourg

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Sunday, July 5. 2009
Strasbourg
Zu den Nahaufnahmen vom Europaparlament gesellen sich jetzt noch ein paar vom Münster aus fotografierte und einige Kuriositäten. Viel Spaß!

Was lange währt, wird endlich gut...

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Friday, June 26. 2009
Strasbourg
Es bedurfte nur einer Metallsäge (une scie), ein wenig Muskelkraft und ein wenig Geduld.

Und nun ist es frei! Mein Fahrrad! Es steht sicher auf meinem Flur und wird schon morgen repariert. Wow, was lange währt, ohne Fleiß kein Preis, dat Glück is mit die Doofen...

Ich kam mir schon etwas dappisch vor, als ich heute mit meiner neuen Säge am Place St. Nicolas des Ondes aufkreuzte. Was vor zwei Tagen noch quasi unter polizeilicher Aufsicht passierte, wurde heute ein bisschen zum sozialen Experiment: Was machen Café-Gäste, wenn einer seelenruhig das Schloss eines angeschlossenen Fahrrades aufsägt? Die Antwort ist ernüchternd: Nichts.

Ich unterhalte mich mit der Frau aus dem Geschäft nebenan (croq-irgendwas, an den Rest kann ich mich nicht erinnern und in Google Streetview steht ein ein Baum davor, soviel also dazu... tzzz) über die Ironie der Geschichte, dass ich jetzt sozusagen mein eigenes Fahrrad zurückklauen müsse und dass ich eigentlich Glück gehabt habe.

Und so säge ich und säge. Es geht einfacher als befürchtet, die dicke Zange der Police hat das Stahlseil schön in einem der Metallringe eingeklemmt, sodass es sich schneidet wie ein massiver Block Metall. Nicht gerade Butter, aber weniger frustrierend wie ein schlackerndes Stahlseil.

Als ich es durch habe, bremst die Säge ihren letzten Zug auf meinem Finger und hinterlässt eine dunkle, nicht besonders tiefe Wunde. Tja, heißes Sägeblatt in Akademikerhand. Aber das war's wert.

Und an der Ecke in Strasbourg bin ich jetzt wohl auch nachhaltig bekannt. Ach und bevor ich's vergesse: Ätsch, bätsch, Arschloch! :D

Wieder da und doch nicht ganz

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Thursday, June 25. 2009
Strasbourg
Auf dem Heimweg hatte ich mich innerlich schon fast mit dem Verlust meines Fahrrads abgefunden. Wie dreist, einfach das Schloss zu durchschneiden und es mitzunehmen, aber ich hatte schon einen vielversprechenden Nachfolger gefunden: Alt, gut in Schuss und 25 € günstig.

Wie in Gedanken ging ich also von der Straßenbahn ausnahmsweise nicht den kürzeren Weg am Campus entlang sondern an den Boule-Spielern vorbei durch die Parallelstraße. Neugierig sah ich nach einem Fahrrad, das meinem von weitem ähnelte: Silberner Rahmen, die Überreste der Korbhalterung noch vorn.

Ich dachte, ich seh nicht richtig: Da steht mein Fahrrad! Mein Fahrrad, mit dem kaputten hinteren Schutzblech und dem platten Vorderreifen. Doch was ist das? Ein dickes, geradezu hermetisches Sicherheitsschloss hält es am Fahrradständer fest.

Zügigen Schrittes gehe ich heim, greife zum Telefon und wähle die Nummer der Police Municipale: Ja, mein Rad sei geklaut worden und nun habe ich es, angeschlossen, ein paar hundert Meter weiter wiedergefunden. Was tue ich da? -- Die Polizei (Telefonnr. 17) anrufen, sagt mir die freundliche Frau am anderen Ende der Leitung.

Gut, dann mache ich das doch. Mit dem Handy und einem A4-Ausdruck des Fotos meines Fahrrads, das ich gestern hier auch online gestellt habe, bewaffnet gehe ich zur Straßenecke und was finde ich vor? Die Polizei ist schon da.

Nicht wegen meines Fahrrads, soviel ist klar. Ich frage nach, erkläre, was passiert ist und zeige das Foto zum Beweis. Der Beamte glaubt mir, greift zum Funkgerät und fragt nach, wo die große Zange ist (la pince "Seigneur"). Er führe jetzt los, sagt er mir, aber in ein paar Minuten kommt entweder er oder Kollegen wieder, die mir das Rad entketten könnten.

In der Tat (und nach einem netten Gespräch mit einer und einem Obstverkäufer/in aus dem Laden nebenan) kommt ein Polizeiauto mit drei Beamten vorgefahren. Wieder erkläre ich den Sachverhalt und der Chef sagt "Coupe!" und der jüngere setzt die Zange an. Die dritte Polizistin zückt die Kamera: Männer bei der Arbeit.

Doch dann die Ernüchterung: Verdammt, das Schloss ist widerspenstig! Ein Stahlseil ummantelt mit Metallringen. Die Zange schafft es durch die Ringe, aber gegen das Seil ist sie machtlos. Nach drei Versuchen mit der, zugegeben schon etwas mitgenommenen Zange, geben die Polizisten auf und raten mir, mich nach einer kleineren, für Seile geeigneten Schere umzusehen und es selbst aufzumachen.

Ein bisschen enttäuscht von der Zange (Was wenn ich mal in nem Auto klemme? Sagen die dann nach drei Versuchen auch: "Da können wir nix machen, schauen sie mal, ob sie ne andere Zange finden und sich selbst freischneiden können." ???) und verwirrt: Muss ich jetzt mein eigenes Fahrrad zurückklauen? Wo bin ich denn???

Ich frage in den Geschäften und Bars und schließlich gibt mir ein Wirt (ein netter, aber kurz angebundener Inder oder Pakistani) einen Hammer und zwei Schraubenzieher und ein leicht nach Bier riechender Franzose (wie er im Bilderbuche steht :) ) bietet seine Erfahrungen aus Schulzeiten an.
"Ben, je vole pas des vélos, mais je peux l'essayer." (Ich stehle keine Fahrräder, aber ich kann's ja mal versuchen) sagt er, schaut sich das Schloss an und versucht es mit seinem eigenen Fahrradschlüssel aufzumachen. Der Erfolg: Kaputter Schlüssel.

Nun setzt er Hammer und Schraubenzieher auf das Schloss an. Ein in Anzug gekleideter Afrikaner kommt vorbei und probiert es auch mal, aber das Schloss bleibt zu. Zuletzt versuche ich, das Schloss durch wildes Draufschlagen zum Zerbrechen zu bringen.

Was soll ich sagen. Nach über einer Stunde, zwei von zwei kaputten Schraubenziehern und einem arg demolierten Schloss, gebe ich auf. Ich bringe den Hammer zurück, versuche dem Wirt soetwas wie Wiedergutmachung für die kaputten Schraubenzieher anzubieten, doch er lehnt ab, und begutachte unser Werk.

Zwei Polizisten mit pince Seigneur, zwei Passanten, ein Hammer, zwei Schraubenzieher und meine Wenigkeit haben das Schloss so zerstört, dass, wer immer es an das Fahrrad drangemacht hat, es mitnichten wieder aufbekommen wird. Außer, sie oder er hat zufällig einen Bolzenschneider dabei.

Morgen werde ich mir eine Metallsäge und ein neues Schloss kaufen und es nochmal probieren... sofern es morgen auf dem Weg zur Straßenbahn noch dasteht. Putain!

Ein Nachruf auf mein Fahrrad

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Tuesday, June 23. 2009
Strasbourg
Du bist keine Schönheit und auch nicht sonderlich belastbar. Deine Kette lies mich schon im Stich, du hast mehr Glühbirnen verbrannt als jedes andere Rad vor dir und du fielst immer um. Dein Lenkerkorb machte mich wahnsinnig und du hast mich schon im Stehen abgeworfen.

Du hast die Alpen gesehen und mich (mehr oder weniger) sicher durch Grenoble getragen. Mit dir habe ich Strasbourg erkundet und du hast die A5 von Basel bis Rosbach kennengelernt. Du warst Tag und Nacht für mich da und begnügtest dich mit Fahrradständern in strömendem Regen oder einem dunklen Heizungsraum.

Ja, du warst ne doofe Tretmühle, aber du fehlst mir! Und wenn ich das Pack erwische, das dich geklaut hat, dann kriegen die so richtig Ärger! Welches hirn- und herzlose Etwas hat dich geklaut? Organisiert, mit Bolzenschneider das Schloss durch und entführt. Verschachern werden sie dich, wie Vieh, an den nächsten armen Studi, dem sie dich in ein paar Monaten wieder klauen werden. Traurig.

Deswegen werde ich dich suchen und solange hoffe ich, dass du gut behandelt wirst.
Kaltblütig durchschnittenes Fahrradschloss.
Mein Fahrrad

Strasbourg, Mensa, Meditation

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Thursday, June 11. 2009
Strasbourg
Nach zwei Wochen des allgegenwärtigen Chaos kehrt wieder etwas Ruhe in mein Leben ein.
Inzwischen bin ich in Straßburg angekommen, habe schon am 1.6. mit total verschnupfter Nase eine Radtour -- oder vielmehr eine Aufsteigen-Rollen-Absteigen-Foto-machen-Tour -- gemacht.

Nahe der Haltestelle République.


Straßburg ist genial! Tja, klingt jetzt doof, dass der Wahl-Grenobler das sagt, aber gegen Straßburg ist Grenoble erstens wie ein Loch (nach 500m ist die Haussmannsche Innenstadt zuende und es beginnt der Betongürtel, in Straßburg ist das anders!) und zweitens ist hier alles breiter, entspannter und irgendwie schöner.

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